Geschriebenes

Ich bin ein Autor [Poetry-Slam]

[Reupload vom 17.2.2017]
In diesem Schuljahr habe ich “Kreatives Schreiben” als Unterricht und unser “finales” Projekt besteht darin, einen Poetry Slam zu schreiben. Nun kann man darüber diskutieren, ob ich das wirklich kann, wo ich doch eigentlich eine Romanautorin bin. Zu eurem Glück habe ich das in meinem Thema ganz fix behandelt. Ich würde mich sehr über Rückmeldung freuen, damit ich weiß, ob sich das überhaupt lohnen würde, vorzutragen und ob es vielleicht etwas leicht nostalgisches in euch erweckt. 
Ich bin Autorin. 

Ich schreibe seit über fünf Jahren Kurzgeschichten, Novellen und Bücher, habe schon kleine Projekte veröffentlicht und ein Pläuschchen mit Cornelia Funke gehalten. Ich kenne mindestens drei der Autoren persönlich, die gerade auf  der Spiegel Bestsellerliste stehen und schreibe pro Tag 3-5 Tausend Wörter.
Das ist viel, wenn man daran denkt, dass Andere nicht mal annähernd so viel in ihren Klausuren schreiben.
Aber …

Ich bin kein Poetry Slammer. 

Ich bin kein literarischer Comedian, der in seltsamen Stimmen seltsame Phrasen seltsam betont und mit überspitzten Vergleichen und zu schnell gesprochenen Paragraphen die Lacher des Publikums entlockt.
Ich schreibe nicht über Trump und liste in einem melancholischen Vortrag nicht all die Fehler der Gesellschaft auf.
Ich bin nicht nur lustig oder nur traurig oder nur kritisch.

Meine emotionale Spannweite erstreckt sich über 500 Seiten, gespickt mit Charaktertoden, Perspektivenwechseln, Plottwists.
Ich bin das Kind von George R R Martin und J K Rowling und jeder, der mir auf den Keks geht, stirbt einen qualvollen Tod.
Ich kann mich nicht auf zwei Seiten ausdrücken und „mindestens drei Minuten“ funktioniert nicht für mich.
Ich bin der Typ von Mensch, dem man bei jeder geschriebenen Aufgabe sagen muss, dass man grade keinen Roman schreiben soll. Aber das mache ich halt gerne.
Ich liebe es, mich ein Jahr lang nur mit den gleichen 50 Charakteren zu beschäftigen. Obwohl die ja nicht wirklich gleich bleiben, denn wo in einem Kapitel einer stirbt, rückt im nächsten gleich ein Neuer nach.
Ich mag es, mich bis spät in die Nacht im Schreiben zu verlieren und meinen Freunden seltsame Cameos zu verschaffen.
Ich möchte im Korrektorat und Lektorat versinken, bis sich Energy Drinks und Cocktails und Chipstüten neben meinem überhitzten Laptop stapeln und ich möchte früh am Morgen den verdammten Buchsatz anschreien dürfen, weil sich immer und immer wieder die blöden Zeilen verschieben.
Ich möchte voller Stolz den Satz sagen dürfen: „Keine Sorge, NSA, ich bin kein Terrorist. Ich bin Autor“, wenn ich mich über Foltermethoden, Kriegsführung, Nervengifte und heidnische Kulte informiere.

Also nein, ich bin nicht zur kurzzeitigen Vergnügung hier. Wenn ihr meine literarischen Ergüsse lesen wollt, gibt es mein Ebook für 99ct auf Amazon zu kaufen.

Denn ich bin kein Slammer. Ich schreibe nicht über aktuelle Themen, die mir hinter den Kulissen richtig am Arsch vorbei gehen. Und ich schreie nicht extra herum, nur weil ihr das lustig findet. Ich bin der Introvertierte, der mit fünfundzwanzig geöffneten Wikipediaseiten und einem überfüllten Textdokument im Dunkel meines Zimmers sitzt und sich von Gefrierfachpizza und Cola Light ernährt.
Ich schreibe nicht über RTL, Trump und unsere Gesellschaft, in der wir nichts zu sagen haben oder über den Tod, und wie sinnlos der doch eigentlich ist.  Ich schreibe über Götter, Fantasywelten und Psychopathen. Ich lasse Magie und Leben nach dem Tod, Feen und Trolle, Einhörner und Vampire oder auch das ganze Konzept von Dungeons and Dragons in meinen Geschichten wahr werden, während sich mein Thesaurus auf blankem Papier auslässt, bis mein Wordcount explodiert.

Ihr wollt unterhalten werden und das in kürzester Zeit, aber das kann ich nicht bieten. Wer meine Texte lesen oder hören will, muss sich schon mal über drei Stunden frei halten und das auch nur, wenn man schnell liest.
Und wer mit mir zusammen wohnt, muss damit leben, dass die Soundtracks von Actionmovies oder traurige Piano-Cover aus meinem Zimmer schallen, während ich über meine eigenen Witze lache.
In meinem Kopf bin ich eine gespaltene Persönlichkeit, denn ich beherberge über einhundert Charaktere, die sich nicht so einfach etwas sagen lassen und mir mehr als einmal auf der Nase rumtanzen, weil sie denken, den ganzen Plot umwerfen zu können. Das ist wie mit Haustieren.
Poetry Slams sind die wackelschwänzigen Hunde, die auf alles hören, was man sagt. Aber Romane? Die sind Katzen, die sich zeitweise einfach über Stunden, Tage oder Monate hinflätzen und nichts machen. Das kann man dann auch Schreibblockade nennen.

Und es tut mir nicht leid, euch zu enttäuschen und euch das Bild von dem ach so leichten Prozess des Buchschreibens zu zerstören, aber wenn ich schreibe, dann regnet es Blut, Schweiß und Tränen. Dann wird geschrien, wenn wieder das Schreibprogramm abstürzt oder geseufzt, wenn man erklären muss, weshalb man ein einhundert Euro teures Schreibprogramm besitzt. Und ich lebe damit, seltsame Blicke zu bekommen oder total gelangweilt angesehen zu werden, weil sowieso keiner mehr Bücher liest oder total verwirrt ist, wenn ich die seltsamen Verläufe meiner Handlung zu erklären versuche.

Denn ich bin Autor. 
Kein Slammer. 

Ich bin neugierig. Was haltet ihr davon? Lasst mir unbedingt ein paar Kommentare da, damit ich meine “Poetry-Slam-Skills” noch ein bisschen verbessern kann!

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