Cornelia Funke [Interview]

Ich hatte die Ehre, ein Interview mit der Schwester von Cornelia Funke zu halten (da Cornelia selber zu beschäftigt ist, um jede Interview-Anfrage beantworten zu können). Gibt es etwas, dass du dich über die berühmte, deutsche Autorin gefragt hast? Vielleicht findest du hier die Antwort!


Erst einmal Hallo und Danke, dass ich ein Interview mit Ihnen führen darf.
Erfolg kommt nicht von einfach so: Wie verlief Ihr Einstieg in die Buchbranche?
Cornelia hatte bereits viele Jahre als Kinderbuchillustratorin gearbeitet, als sie ihr erstes Buch veröffentlichte. Sie hatte also schon einen Namen bei einigen Verlagen und Kontakte. Trotzdem war es ein großes Glück, dass ihr erstes Manuskript den Lektoren gleich so gut gefiel.

Wie wichtig befinden Sie Lesen als Teil des Autorenlebens?
Das ist für Cornelia ein seeeehr wichtiger Teil. Das Lesen hilft ihr beim Schreiben. Jedes Buch – die guten, aber auch die schlechten – das sie bisher gelesen hat, hat Einfluss auf ihr Schreiben.

Wenn Sie die Zeit noch einmal zurückdrehen könnten: Würden Sie sich eher für einen Verlag oder doch für das Selfpublishing entscheiden?
Für den Anfang würde sie, denke ich, weiterhin mit einem Verlag zusammen arbeiten, denn ihre jahrelange Zusammenarbeit mit Verlagen und Lektoraten hat ihr erst ermöglicht, sich in dieser Richtung selbständig zu bewegen. Außerdem hat sie ja auch immer noch verlagserfahrene Leute dabei, die sie beraten und unterstützen.

Gibt es ein Genre, dass Sie schon immer mal ausprobieren wollten, sich aber noch nie getraut haben?
Ich glaube, Cornelia fühlt sich sehr wohl in den Genres, in denen sie bisher geschrieben hat. Cornelia liebt das Fantasy Genre, weil es ihr erlaubt, ihre Vorstellungskraft einfach „vom Zügel zu lassen“. Und weil sie Wesen und Orte beschreiben kann, die sie selbst nie gesehen hat und die sie komplett selbst erfinden kann. Aber sie hofft auch, dass die Realität nie zu kurz kommt in ihren Geschichten

Können Sie eine Sache nennen, die Sie, seit ihrer Erstveröffentlichung, dazu gelernt haben?
Struktur. Das Schreiben hat sich bei Cornelia mit der Zeit sehr verändert. Beim ersten Buch war es noch so: am Anfang holterdipolter und schließlich endet man irgendwo im Wald und weiß nicht weiter. Das merkt man dem Buch dann auch meistens an, weil die Hänger in der Mitte kommen und die Lösung oft sehr willkürlich ist. Inzwischen erstellt sie ganz ausführliche Exposées, auch Charakterisierungen der Figuren und Gliederungen, die allerdings hoffnungslos oft umgeschmissen werden. Bei Drachenreiter hat sie noch recherchiert, während sie schrieb, in Reiseberichten und Büchern über Pilze und Fabelwesen. Bei Herr der Diebe hat sie das schon geändert und vor dem Schreiben etwa ein halbes Jahr recherchiert – über Venedig natürlich. Bei Tintenherz hat sie mehr als ein Jahr Bücher über Bücher gelesen, über das Binden und Restaurieren, berühmte Bibliotheken, besessene Sammler, Bücherdiebe und Büchermörder … und parallel die Handlung entwickelt. Aber meist nehmen ihre Figuren ab Seite 100 die Handlung selbst in die Hand, und Cornelia hat festgestellt, dass es besser ist, sie vom Zügel zu lassen, weil die Geschichte, die sie selbst erzählen, immer ungewöhnlicher ist als die, die sie geplant hat.

Wie lange dauert bei Ihnen die Arbeit an einem Buch (inklusive Plotten, Schreiben & Überarbeiten)?
Das ist unterschiedlich. Für Bilderbücher oder auch die Wilden Hühner braucht Cornelia meist nur einen bis zwei Monate. Für die Reckless Bücher hat sie dagegen durch die intensive Recherche und das Überarbeiten meist ein oder sogar zwei Jahre gebraucht.

Welche Autoren haben Sie früher beeinflusst und gibt es solche, die es noch immer tun?
Jeder Autor – die guten wie die schlechten. Cornelias Lieblingsautoren in ihrer Kindheit und Jugend waren Michael Ende, Astrid Lindgren, Mark Twain oder auch Karl May.

Gerade in der Reckless-Reihe spielten Märchen eine große Rolle: Welches Märchen ist denn Ihr Liebstes?
„Die sechs Schwäne“ von den Gebrüdern Grimm.

Verwerfen Sie schon mal Projekte (aufgrund von Zweifeln oder Motivationslosigkeit etc.) oder kämpfen Sie bis zum bitteren Ende?
Das ist Cornelia bisher so noch nicht passiert. Vielleicht hat sie mal eine Geschichte eine Weile in die Lade gelegt oder die Idee verändert, das ist bestimmt schon da gewesen.

Wie wählen Sie die Namen für ihre Charaktere?
Mit den Namen gibt sich Cornelia immer große Mühe. Sie schaut in Telefonbücher, in Pflanzen- und in Tierenzyklopädien. Und manche Namen sind auch einfach frei erfunden, zum Beispiel Ignaz Lauschohr in ihrem Buch “Lilli und Flosse“.

Erinnern Sie sich noch an ihr allererstes Geschriebenes? Wovon handelte es?
Cornelias allererste Geschichte wurde nie veröffentlicht. Du findest sie aber auf ihrer Webseite. Schau mal in unsere Kruschtelkiste. Dort liegt “Bo, Milan, Fellmann und Isolde“: http://www.corneliafunke.com/de/kiste

Happy End oder tragisches Ende? Was zieht Sie eher an?
Ich glaube, jeder von uns mag glückliche Enden, aber Cornelia weiß, dass das meist nicht der Realität entspricht. Und da Cornelia sagt, dass ihre Romanfiguren ihr meist ihre Geschichten selbst erzählen, beziehungsweise die Geschichten ihren Verlauf irgendwann selbst bestimmen, haben auch nicht all ihre Geschichten ein Happy End.

Wie kann man sich Ihren Schreiballtag vorstellen?
Cornelia versucht, sich zum Schreiben so oft es der Alltag erlaubt in ihr Schreibhaus zurück zu ziehen (in ihrem neuen Zuhause in Malibu ist es jetzt eine umgebaute Scheune, die werden wir bald auch auf ihrer Webseite vorstellen). Oft sitzt sie zum Recherchieren auch im Getty Archiv in Los Angeles, wo man hier Zugang zu den Sammlungen alter Schriften und Bilder/Fotos gewährt. Dort holt sie sich vor allem für ihre Reckless Bücher Inspiration.

Was ist Ihr ultimativer Tipp für alle Jungautoren, die diesen Blog hier verfolgen?
Habt immer ein Notizbuch und einen Stift dabei. Seid neugierig und offen für alles um euch herum. Und gebt eurer Geschichte Zeit. Lasst die Geschichte zu euch kommen.

Noch einmal ein großes Danke, dass ich meine Fragen stellen durfte und noch ein schönes, neues Jahr!

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