Autorenkram, SchreibWissen

Der Geist verstaubter Notizbücher

Wir haben sie alle irgendwo liegen. Notizbücher mit wunderschönen Covern und doch leeren Seiten. Als wir sie gekauft haben, mit den kritischen Blicken unserer Familienmitglieder auf uns, haben wir es doch noch gewusst – irgendwann würden wir sie mit vielen Worten füllen. Eventuell würde sich eine tolle Geschichte darin schreiben lassen oder auch der ein oder andere Plot. Ach, damals hat es doch so einfach ausgesehen, ein Notizbuch zu füllen. Die Anderen verstehen es ja nur nicht, dass ein Notizbuch Zeit und Liebe braucht.
Und jetzt stapeln sie sich. Immer noch leer. Die Cover hängen in den Regalen und verbleiben leer. Vielleicht, weil es einfacher geworden ist, auf dem Handy eine Notiz zu speichern, die man gleich wieder löschen kann. Vielleicht, weil wir die Schönheit eines schönen Buches nicht zerstören wolltest. Alles, was du weißt, ist, dass du etwas dagegen machen musst. Dich von dem unnötigen Notizbuchberg befreien. Das nächste Mal, wenn dir deine Eltern vor halten, dass du gar nichts anfängst mit so vielen Notizbüchern, zeigst du ihnen deine gefüllten Bücher.


Augen zu und durch – es ist nur ein Notizbuch

Ja, so ist es. Mehr als ein paar Blätter toter Baumreste sind es nicht. Natürlich wünschen wir uns, sie mit Leben zu befüllen, aber manchmal müssen wir über unseren eigenen Schatten springen und einsehen, dass pure Perfektion nicht existiert. Schreib unsauber, schreib wild. Schreib einfach drauf los. Versuche es nicht, so schön aussehen zu lassen, wie das Cover. Und dann – schreib.


Sudeln

Ich behaupte einfach mal, dass das Wort niemandem etwas sagt. In einem Schreibratgeber von Duden habe ich das erste Mal davon gelesen. Beim Sudeln handelt es sich um das sofortige Aufschreiben von allem das du siehst. Von der Wahrnehmung deiner Umwelt. Öffne deine Augen, platziere dein Notizbuch vor dir und notiere alles, dass du siehst.
Gerade in 2012 habe ich das sehr oft gemacht. Im Urlaub habe ich mir ein halbes Stündchen genommen, um am Strand die Leute und ihre Bewegungen zu beobachten. Zu Hause habe ich mich ans Fenster gesetzt und hinaus geschaut, plötzlich Dinge in meiner Nachbarschaft gesehen, die mir vorher völlig fremd waren. Wenn du sudeln ausprobieren möchtest, versuche, dich erst einmal auf die 5 Sinne zu konzentrieren. Mach dir eine kleine Liste (Hören, Riechen, Schmecken, Sehen …) und notiere alles, dass dir auffällt. Später kannst du dann in deinen Geschichten eventuell auf deine Notizen zurückgreifen. Wenn du die Sinne abgehakt hast, geh auf die kleinen Dinge ein. Versuche ruhig mal, das Aussehen deiner Umgebung in schönen Sätzen zu hüllen. Wenn es also das nächste Mal im Urlaub oder auf dem Spaziergang mit den Eltern langweilig wird, nimm dir dein Notizbuch mit und lass dich aus!


10-Wort-Einträge

Etwas, dass ich in 2014 ausprobiert habe, sind 10-Wort Einträge. Ich habe jeden Tag versucht, meinen Tag in 10 Wörtern zusammen zu fassen. Das ist dann eine Art Tagebuch für jene, die sich nicht großartig auslassen wollen und keine Zeit für ein Liebeskummer-Gespräch mit Tom Riddle haben. Natürlich kannst du auch versuchen, deinen Tag oder eine signifikante Situation in einem Satz zu beschreiben, der zwar nicht nur aus 10 Worten besteht, aber dafür sehr poetisch klingen mag. Versuch, dich in kleinem Raum herauszufordern, und nutz dein Buch, um mit dir selber kleine Spielchen zu spielen.


Captain Nemo hier, Writer´s Log #10

Ich bin wirklich kein Mensch, der gerne Tagebuch schreibt. Meine Erinnerung hält da schon gut und gerne. Allerdings mag der ein oder andere sein Schreibverhalten lieber in einem Notizbuch notieren. Da gibt es zwar schon Vordrucke wie dieser oder auch der hier, aber natürlich kannst du dir auch eine eigene Vorlage á la Bullet Journal gestalten. Dabei solltest du aber nicht zu viele Eintragsvorschläge pro Tag machen, sondern es simpel halten. Wie viel hast du geschrieben, wie nah bist du deinem Wortziel gekommen, ist es gut oder schlecht gelaufen und vielleicht eine Spalte für dein liebstes Zitat von heute. Irgendwo anders im Buch dann eventuell ein Friedhof für im Jahr verstorbene Charaktere. Und wenn du irgendwann zurückschaust, kannst du dich daran erinnern, wie es aussah, als es mal gut oder schlecht lief.


Inspirationsbuch

Du verbrauchst du deine Worte im Dokument, da sind kaum noch welche für Notizbücher übrig. Wie wäre es also, wenn du dich mal mit Bildern auslässt? Nimm eines deiner Notizbücher als Inspirationsbuch und notiere nicht, was dich inspiriert, sondern erstelle eine Sammlung an Dingen, die dich inspirieren! Fotos von Landschaften, Charaktervorstellungen, Essensbilder – was auch immer dich beflügelt. Und wenn es auch nur eine Doppelseite voller Bilder von Tom Hiddleston ist (heh, nicht als ich so etwas hätte, haha!) Wenn das mit der Inspiration dann etwas tief liegt, kannst du durch die Seiten blättern und nach neuen Ideen suchen. Eventuell probierst du es auch mit thematischen Seiten aus. Du magst Königshäuser? Sammel Bilder oder Beiträge über Adelsfamilien, Ästhetikbilder von Kronen oder starte eine neue Seite gleich danach, um dir Bilder und Tipps für Golden Retriever zu schaffen. Versuche, nichts dazu zu schreiben, dass von dir kommt. Es ist nicht als ein Notizbuch für deine Ideen gedacht, sondern als späterer Nutzen für Inspirationslosigkeit. Oder leg dir am Ende des Buches eine Liste an Ideen an, die du mal hattest, aber nie geschrieben hast. Sowas kann alte Flammen wiederbeleben, wenn du dich erst wieder daran erinnerst!


Jetzt, wo ich euch meine Vorschläge gegeben habe, möchte ich glatt selber meine Notizbücher füllen. Dummerweise habe ich einen großen Teil meiner Notizbücher im letzten Jahr ausgemistet, was die ganze Sache schwieriger macht – aber hey, immerhin hab ich jetzt eine Ausrede, um neue Bücher zu kaufen!
Habt ihr auch so viele unbeschriebene Notizbücher? Und welche der obigen Ideen war deine Liebste? Schreibst mir in die Kommentare!

Wir sehen uns nächste Woche wieder!
Eure Paulina!